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Kazbek 5047m Kazbek SO-Flanke
Kazbek 5044m Kazbek, SO-Flanke

"Großer und Kleiner" Kaukasus - vergessene Landschaften ?

Nebenan, sozusagen gleich um die Ecke und doch ganz schön weit weg. Osteuropäische Länder galten gemeinhin nicht als die touristischen Magneten, zumindest nicht im USA orientierten Westeuropa. Seitdem St. Moritz und andere Nobelorte fest in russischer Hand sind, haben sich die Touristenströme gehörig verschoben. Die Gebärden der kommunistischen Machthaber hielten viele davon ab, den Blick nach Osten zu wenden und diese Länder zu bereisen.

Bergsteiger haben sich davon jedoch selten irritieren lassen und sind ihren Zielen auch in schwierigen Zeiten nachgegangen. Oft fanden sie dort genau daß, was sie suchten. Touristisch nicht verbrauchte Menschen und Landschaften,vom Abenteuer gar nicht zu reden. Schon lange standen Ziele im Kaukasus auf meiner Wunschliste, doch immer drängten sich andere meistens höhere Berge dazwischen.

Alles hat eben seine Zeit. Im Früjahr 2005 war es endlich soweit. Mit den Visas von Russland und Georgien in der Tasche konnten wir zu neuen Abenteuern aufbrechen. Drei Gebiete wollte ich auf den mehrfachen Reisen besuchen. In Georgien die Region um den Kreuzpass herum mit dem Vulkan Kasbek, das Baksantal mit dem Elbrus und die Dombairegion mit dem Belalakaya 3861m oder "Matterhorn des Kaukasus". Die beiden letztgenannten Gebiete liegen in Russland(GUS). Ein Grenzwechsel zwischen Georgien und Russland am Hauptkamm des Kaukasus ist derzeit für Touristen unmöglich.

Es gibt also nur die Wahl, Bergtouren von Russland(Nordseite des Kaukasus) oder alternativ von Georgien zu organisieren. Beide Seiten sind grundverschieden und es kommt eben auf die bergsteigerischen Ziele an. Georgien bietet den Vorteil des nahezu freien Zugangs. Seit 2006 ist auch kein Visum mehr erforderlich. Die russische Nordseite erfordert Einladung und Visum. Nachdem es nur ganz wenige Hütten gibt, hat das Bergsteigen einen allgemein höheren Anspruch als in den Alpen, den Elbrus einmal ausgenommen. Ihn gibt es als einen der "seven summits" überall zu kaufen. Verzeihung, hinaufsteigen muß schon noch jeder selbst.

Mit der Perestroika brach der Tourismus im Kaukasus völlig zusammen. Die mühsam aufgebaute Infrastruktur lag in den 90er Jahren völlig darnieder. Nur langsam erholen sich Wandern und Bergsteigen wieder. Auch russische Gäste kommen wieder in ihre angestammten Urlaubsgebiete zurück, wobei sich Georgien derzeit deutlich schneller entwickelt. Dank der US Dollar, die ins Land gepumpt werden.

Neben weniger bekannten Bergen dort, gelingt es uns auch Kasbek und Elbrus mit Ski zu besteigen. Ein nicht ganz leichtes Vorhaben. Passables Wetter, von schönem möchte ich gar nicht schreiben, erfordern großzügige Zeitplanung und Durchhaltevermögen. Insbesondere der Elbrus hat sein ganz eigenes Wetter. Die niedrigen Berge um ihn herum sind sonnenüberflutet, nur er versteckt sich in einer fast typischen Wolkenhaube und Wind oder genauer gesagt Sturm ist fast der Normalfall an diesem Berg. Bei mehr als 100 kmh Windgeschwindigkeit hat der Kölner Drachenflieger, den wir da droben treffen, null Chance abzuheben. Seinen Drachen kann er getrost auf Prijut11 stehenlassen. Dies ist auch einer der Gründe, warum wir sowohl am Kasbek als auch am Elbrus zweimal antreten müssen, um auf den Gipfel zu gelangen. Eine kleine, internationale Gruppe die wir in Kasbegi trafen berichtete, dass sie für einen Gipfelerfolg an einem 3000er in Armenien 10 Tage für geeignetes Wetter ausharren mussten. Ganz besondere Erinnerungen bleiben mir von Georgien. Selten habe ich so herzliche Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft wie bei "Gela" in Gudauri erleben dürfen. Ein Einzelfall ? Nein, auch in der Altstadt von Tbilisi wurden wir angesprochen und spontan zu einer Tasse Tee bei einer Familie eingeladen. Wenn Euch unsere Erlebnisse am aüssersten Ende Europas interessieren, kommt zum Vortrag "Vom Kasbeg zum Elbrus - Skibergsteigen im wilden Kaukasus".

Christian Funke

Elbrus 5642m Elbrus SW-Couloir
Elbrus, 5642m Elbrus, SW-Couloir



Stand: 23.07.2006