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Reisebericht Lykischer Weg 2013

von Christine Möckel

Ich will versuchen, im Nachhinein die wunderbare Reise, die ich mit unseren türkischen Wanderfreunden vom Verein „Todosk“ aus Antalya erleben durfte, zu Papier zu bringen. Die Eindrücke sind noch in mir lebendig und wärmen mich in der herbstlichen Kälte Deutschlands.

Vorweg ein paar allgemeine Informationen. Der Lykische Weg ist der erste markierte Weitwanderweg der Türkei. Es ist ein alter Handelsweg der Lykier, der vor ca. 15 Jahren von der Engländerin Kate Clow in Zusammenarbeit mit den Einheimischen markiert wurde. Er verläuft über 509 km von Fethiye nach Antalya größtenteils entlang der Küste des antiken Lykien und gilt als einer der schönsten Weitwanderwege weltweit.
Mittlerweile gibt es noch einige weitere markierte Wanderwege in der Türkei, der Paulusweg u.a. verdankt seine Markierung auch dem Pioniergeist von Kate Clow, die in der Region recht populär ist. So wird auch der sanfte Tourismus abseits der großen Hotelanlagen gefördert.

15. August

Ich entdecke auf der DAV-Seite die Tour „Lykischer Weg“, die dort über Todosk angeboten wird. Der Winter naht, ich habe noch Urlaub übrig und bin sowieso seit Juni und meiner Ostanatolienreise den „Türkeivirus“ im Blut. Kurz entschlossen melde ich mich per E-Mail an Feriha an. Der Flug ist schnell gebucht und eine nette Pension in Antalya für ein paar erholsame Tage vor und nach der Tour auch.

24. September

Ich frage Feriha nach Details. Wie viele sich denn angemeldet hätten, ob noch weitere Teilnehmer aus Nürnberg, wo ich mich einfinden soll am 3.10. etc. Ich staune nicht schlecht, als ich die Antwort lese: es sind ca. 120 (!) Teilnehmer und ich bin die einzige Deutsche. Das wird spannend…

1.-2. Oktober

Die Reise trete ich nicht mit den besten Voraussetzungen an; eine Erkältung plagt mich und der Fersensporn hat sich wieder unangenehm bemerkbar gemacht. Aber ich will unbedingt mitwandern. Ich treffe mich mit Feriha und lerne Ahmet im Todosk-Büro kennen. Das Bummeln in Antalya stimmen mich auf Sonne und Entspannung ein. Von Ferne grüßt schon das Taurusgebirge.

Taurusgebirge von Antalya aus  – Taurusgebirge von Antalya aus

3. Oktober

Um 5:30 morgens finde ich mich am vereinbarten Parkplatz ein. Es ist noch dunkel. Die ersten Mitwanderer kommen an und es werden mehr und mehr. Ich bin Ausländer. Ich verstehe (fast) nichts. „Günaydin“, so lerne ich schnell, heißt „Guten Morgen“. Reihum wird Essen angeboten. Und das bleibt immer so; es hat mich sehr beeindruckt. Dieses „alles miteinander teilen“ egal was und mit wem. Nie isst jemand für sich allein sein Brot, seinen Apfel, seine Nüsse. Oft bleibt für den Anbietenden nur ein Minihappen übrig. Aber dadurch, dass das alle so machen, entsteht Vielfalt und lebendiger Austausch. Überhaupt scheinen sie Unmengen an Essen mitgenommen zu haben.
Ich werde von allen Seiten freundlich begrüßt, soll zig Namen lernen, die z.T. wie neue Vokabeln für mich sind. Gut, Yussuf, der viele Jahre in Fürth gearbeitet hat und leicht fränkelt wie auch Feriha, die kann ich mir gut merken, bei Perihan wird’s schon schwieriger. Sie lacht, als ich ihr erkläre, dass ich sie mir als „Pelikan“ merke. Und Erdal ist für mich eine Schuhcreme. Das findet er auch gut. Ja, und dann gibt’s noch Ahmet und Ismail und Mehmet und Gülperi und Fatma und und und.
Drei randvolle Busse rollen in Richtung Kas. Es gibt unterwegs noch eine Teepause, dort duftet es beim Aussteigen schon wunderbar nach Pinien.

Im verträumten Fischerdörfchen Kas wird das Gepäck auf einen Lkw verladen.
Gepäckverladung in Kas – Gepäckverladung in Kas

Wir decken uns noch mit Wasser ein. Versammlung auf dem Marktplatz, Ansprache durch Ahmet, der Bürgermeister begrüßt uns.
Aufbruch in Kas – Aufbruch in Kas

Dann geht’s kurz nach 11h los. Super gut organisiert und diszipliniert setzt sich die Karawane in Bewegung. Keiner drängelt, niemand ist ungeduldig. Bald schon kommen wir in den Genuss der auch in den kommenden Tagen sich immer wieder bietenden wundervollen Ausblicke auf das tief türkisblaue Meer der zahlreichen kleinen Buchten.
herrliche Ausblicke – herrliche Ausblicke

Der Weg schlängelt sich meist an der Küste entlang durch Felsen und Macchia, ist immer anspruchsvoll, steinig, erfordert Konzentration, manchmal ausgesetzt, steil, ein ständiges Auf und Ab und daher nie langweilig. Es wird warm. Trotz des langen Tatzelwurms ist das Tempo flott, nur hin und wieder gibt es an schwierigen oder engen Stellen kleine Rückstaus.

Tatzelwurm – Tatzelwurm

Kurze Trink-/Ess-/Pinkelpausen werden ab und zu eingelegt und eine etwas längere Mittagspause. Ich habe zu wenig zu Essen dabei, aber verhungern muss ich angesichts der Gastfreundlichkeit natürlich nicht. Tja, hier kommt man so gut wie nie durch Orte, „Alpenhütten“ gibt’s nicht (nächstes Mal vorher genauer informieren, Christine!). Meine Müsliriegel, die ich anbiete, werden zu meinem anfänglichen Entsetzen sogar dem vom ersten Tag uns begleitenden herrenlosen Hund angeboten. Später verstehe ich das. Dieser Hund hat uns treu über 4 Tage und 80 km begleitet.
Nachts zwischen unseren Zelten geschlafen. Einer von den armen Hunden, die zwar registriert werden, entwurmt und kastriert, sich aber eben irgendwie durchschlagen müssen und sich daher immer wieder Reisenden anschließen. Und die Türken sind nicht nur zu ihren Mitmenschen gut, sondern auch zu den Tieren. Selbst von unserem kostbaren Wasser bekommt er etwas ab. Wasser müssen wir immer reichlich mitschleppen, in den Bergen hier ist kein Bach, keine Quelle, wo man seine Flasche auffüllen könnte.
Gleich am Anfang des ersten Tages stellt mir Erzan Madeleine vor, die aus der Schweiz kommt. Wir verstehen uns auf Anhieb und sind glücklich, mit jemandem in unserer Muttersprache schwätzen zu können.

kurze Pause in der Bucht – kurze Pause in der Bucht

Nach 16km Wanderung kommen wir gegen 17h auf unserem Lagerplatz in Üzüm Iskelesi an. Zuerst heißt es schnell „Essen fassen“ von dem was uns gute Seelen von Todosk gekocht und hierher gebracht haben. Es gibt Gyros mit Reis, dazu Ayran und die Wasserration für den Abend und den nächsten Tag.

müde aber glücklich angekommen – müde aber glücklich angekommen

Jeder sucht sich ein Plätzchen zum Essen. Danach sucht sich jeder sein Gepäck, das der Lkw zusammen mit dem Essen angeliefert hat. Und dann heißt es natürlich noch „geschwind Häusle bauen“, denn um 19:00 wird es dunkel. Einige schaffen es noch, ins kühle Nass zu springen. Ismael packt sein Instrument „Saz“ aus und spielt und singt türkische Weisen. Über uns der südliche Sternenhimmel, das Meer rauscht, wir lauschen, manche tanzen. Uns geht’s gut. Es gibt noch eine abendliche Ansprache von Ahmet, danach verziehen sich die meisten in ihr Zelt.
Wir sind müde. Am nächsten Morgen geht’s schließlich schon um 07:30 weiter. Die Nacht ist warm, die Zikaden singen. Ich muss um 05:00 raus zum Pinkeln und finde mein Zelt nicht mehr. Tja, Orientierung im Dunkeln ist nicht meine Stärke… Nach ein paar Runden mit Stirnlampe durch das Zeltlager kommt mir Gülperi entgegen. Ich gebe ihr mit Händen und Füßen zu verstehen, was mein Problem ist, und siehe da - sie kann mir helfen. Was haben wir noch die folgenden Tage darüber gelacht! Ich musste sie unbedingt mit ihrem Schweinsteiger-Trikot auf dem Foto festhalten.

Gülperi mit Schweini-Shirt – Gülperi mit Schweini-Shirt

4. Oktober

Der zweite Tag führt uns über 20 km nach Aperlae. Hier verlässt der Weg auf einer größeren Strecke die Küste bevor er uns vor Aperlae wieder zurück ans Meer bringt. Vorher kommen wir noch an etlichen mitten in der Landschaft stehenden beeindruckenden antiken Steinsarkophagen vorbei. Den Reichtum an antiken Monumenten rund um Antalya konnte ich schon im dortigen Museum bewundern.

Sarkophag bei Aperlae – Sarkophag bei Aperlae

Früher als erwartet kommen wir in Aperlae an. Dieser Ort ist nur übers Meer oder wandernd zu erreichen. Unser Schiff mit dem Gepäck ist schon da. Wir holen unser Gepäck und torkeln damit über den wackeligen Bootssteg. Bei den letzten Abholern knickt unser Steglein ein, Gottseidank ist das Gepäck trocken geblieben. Nur nach einer Handtasche muss getaucht werden…

die Memedim bringt unser Gepäc – die Memedim bringt unser Gepäck – noch hält der Steg

aber nicht lange – aber nicht lange

Das Schwimmen im Meer ist herrlich entspannend. In unserer kleinen Bucht ist keine Brandung zu spüren.

unser Nachtlager – unser Nachtlager

Jetzt noch gegrillten Fisch essen, ein Efes oder Raki trinken – es ist perfekt! Der harte Kern soll lange durchgehalten haben… Madeleine und ich lernen Fatma kennen, die fließend Französisch spricht – eine Freundin mehr – wir haben viel Spaß und freuen uns, uns verständigen zu können. In dieser Nacht schlafe ich wie ein Stein.

5. Oktober

Der vorletzte Tag bringt uns wieder über 20 km nach Gökkaya Koyu. Das kleine Örtchen Ücagiz – in der Saison überquellend von Tagestouristen – liegt verträumt und ruhig da. Die Frauen des Dorfes bieten bezaubernde Handarbeiten an, es ist soz. Schlussverkauf. Wir machen Mittagspause und decken uns mit Obst, Wasser, Essen ein und machen einen beschaulichen Rundgang. Am Zielort kommen wir schon nachmittags an. Unser Schiff mit Essen und Gepäck ist noch nicht da. Das Meer ist so verlockend, dass viele kurz entschlossen in Unterwäsche in die Fluten springen. Ein Traum!

Badespass – Badespass

Unsere Zelte sollen wir gut verschlossen halten; es gibt Skorpione; gesehen habe ich keinen. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend. Das Essen wieder sehr gut, Fleisch, Gemüse, Bulgur, Ayran. Und dann kommt die Urkundenverleihung, jawoll! Jeder wird einzeln aufgerufen und fotografiert.

Wanderzertifikat - Wanderzertifikat

Ismail und Ahmet spielen und singen noch auf dem Schiff und am Lagerfeuer zur Saz. Viele tanzen, vor allem die Männer legen ausdrucksstarke Tänze hin. Schade, dass die schöne Zeit schon bald vorbei ist…

Ismail spielt auf der Saz – Ismail spielt auf der Saz

6. Oktober

Der letzte Tag führt uns durch Olivenhaine und über Stock und Stein nach Demre.

durch Olivenhaine – durch Olivenhaine

Angeblich der einfachste Tag, entpuppt er sich als recht kletterig, hat steile Aufstiege in gleißender Sonne, ist aber daher auch sehr abwechslungsreich und macht Spaß. Mittags bekommen wir Gözleme (mit Spinat gefüllte Pfannkuchen) auf einer Alm mit Ayran und Tee. Jeder versucht, irgendwo ein Schattenplätzchen zu ergattern.

Anstehen für Gözleme – Anstehen für Gözleme

Gegen Ende unserer Wanderung stoßen wir auf unseren Lkw, wo einige oben auf dem Gepäck thronend die letzte Wegstrecke zurück legen.

unser Lkw und unser Hund – unser Lkw und unser Hund

Und da stehen sie wieder, unsere Busse. Während der letzten Fahrkilometer zieht noch ein Teil lykischer Küste an uns vorbei. Beim Abschied wuselt alles durcheinander. Iyi aksamlar! Wehmut mischt sich mit der Vorfreude auf den Komfort einer warmen Dusche und eines gemütlichen Bettes.

7. Oktober

Meinen allerletzten Urlaubstag lasse ich gemütlich in Antalya ausklingen. Fahre noch einmal mit der alten Straßenbahn (Waggons aus Nürnberg!) Richtung Strand.

alte Straßenbahn Antalya – alte Straßenbahn Antalya

Ein letztes gemeinsames Abendessen im Hasanaga mit Madeleine, Zeynel, Ismail und Irene, dann geht es wieder zurück in die Heimat.

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Ich habe so viel erlebt, dass das eigentlich gar nicht in 4 Tage zu fassen ist. Und ich habe einiges gelernt, neue Freunde gewonnen und dieses Land und seine Menschen lieb gewonnen. Ich soll wiederkommen, haben sie gesagt.

Ich werde wieder kommen. Tesekkür ederim!      Kontakt: