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Blick zum DicksonlandAn der Petuniabucht
Blick zum Dicksonland An der Petuniabucht

Inseln in der Arktis, eine Kleinexpedition durch Spitsbergen

Es war letztes Jahr an einem Gruppentreff. Da fiel erst das Stichwort Grönland, dann Spitzbergen….Spitzbergen, etwas für Alpinisten? Da musste doch mal einen Atlas herausziehen. Tatsächlich, Gipfel über 1500m, Gletscher in die der „Aletsch „ x-mal hineinpasst, noch dazu im Zeitalter von Klimaänderungen. Und das alles auf 80° nördlicher Breite, sprich in der Arktis. Also warum noch warten, nichts wie hin. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: es gibt keine Hütten, keine Träger oder Tragtiere, keinen öffentlichen Nahverkehr besser gesagt überhaupt keinen Verkehr, kaum Menschen außer 2500 Einwohner und die leben alle in LYR(Longyearbyen) und Barentsburg.
Dafür in Hülle und Fülle Wildnis, Frostboden(Tundra), reichlich Wasser und diese großen weißen vor Kraft strotzenden ‚Bärchen’. Das alles reichte erstmal, um festzustellen, nichts für Weicheier. Ein typisches Expeditionsland also. Doch wer will da schon mitfahren?

Im Dicksonlandohne die, geht nicht viel
Im Dicksonland Ohne die, geht gar nichts

Die restlichen Daten lauten nämlich: Rucksackgewicht >15kg, durchschnittliche Tagestemperatur im Juli, August +5°C...+10°C, ständiger Wind, keine Verbindung zur Außenwelt, sowie zusätzliches Gepäck in Form von Sicherheitsausrüstung, Bewaffnung, Notpeilsender, GPS, etc.. Anfang 2011 standen dann doch 5 Teilnehmerinnen für unsere Kleinexpedition fest. Roland, sein Bruder Ralph, Rolf, Barbara und meine Wenigkeit. Die Organisation konnte gestartet werden.
Roland, der das Land von früheren Besuchen gut kennt, nimmt sich der organisatorischen Tätigkeiten vor Ort an. Dafür noch mal herzlichen Dank. Nach den ersten Treffen kristallisieren sich zwei Gebiete die durchquert werden sollen heraus. Mögliche weitere Tagesziele werden mittels des vorhandenen Kartenmaterials ausgewählt. Zuerst wollen wir das Dickson-Land durchqueren anschließend das Insgesamt sollten dafür ca. 14 Tourentage ausreichen. Planungen sind die eine Seite, Überraschungen die andere Seite der Wirklichkeit. Als wir am Isfjord landen, schwimmen mächtige Treibeisbrocken durch den Fjord, d.h. Schifffahrt und Eisbären bekommen eine ganz neue Wertigkeit, mal abgesehen vom üblichen Warten auf Gepäckstücke, die auf einem Gepäckband eines europäischen Flughafens kreisen. Dies alles berücksichtigt, ziehen wir nach 2 Tagestouren für den Gummistiefeltest und drei Organisationstagen mitsamt unserer Expeditionsausrüstung los in Richtung Dickson-Land. Ein Teil der Ausrüstung bleibt nach dem Anlanden in Pyramiden zurück.
Am Ende der ersten Runde kehren wir hierher zurück, um Nahrungsmittel und Ausrüstung zu ergänzen. Bis dahin vergehen 7 Tage anstrengendes Zelttrecking. Vom Fluss unterspülte, mächtige Altschneemassen haben den Canyon verschüttet und machen ein Weiterkommen im Canyon riskant bis unmöglich. Im schlimmsten Fall bedeutet es weitläufige Umwege oder gar Umkehr. Aus dem Sauriedalen-Canyon kommen wir nur durch einen heiklen Ausstieg über Steilschutt zur Ibsen-Hochfläche heraus. Kurz vor dem Ende der ersten Runde sitzen wir im lustigen Schneetreiben oder eher Schneesturm fest. Wir warten ab, bis sich die Bedingungen wieder verbessern, Kniffeln hilft uns über die Zeit. Gesehen haben wir auf dieser Runde in großer Entfernung zwei Touristen, getroffen viele Rentiere.

Grat zum HultbergetAm Gipfel vom Hultberget
Grat zum Hultberget Am Gipfel vom Hultberget


In Pyramiden zurück, fassen wir Verpflegung nach und rüsten uns für die zweite Runde. Diesmal geht es zu den großen Gletscherflächen des Olav V Lands. Nach zwei weiteren Schlechtwettertagen am Ende der Petuniabucht müssen wir unsere Planungen überdenken. Wetter, Schiffstermin, Flugtermin und teilweise Gesundheitsprobleme lassen eine große Runde nicht mehr zu. Wir beschließen, unseren derzeitigen Standort zum Basislager umzubauen und mit ausgiebigen Tagestouren die Landschaft zu erkunden. Es gelingen uns noch zwei aussichtsreiche Bergtouren zu den Tarantellen und auf den Hultberget.
Mit unserer Rückkehr nach Longyearbyen werden uns auch noch zwei perfekte Schönwettertage geschenkt, die wir für die Besteigung von Nordenskiöld und Trollstein nutzen. Eine absolut stressfreie Kleinexpedition in arktischer Wildnis, absoluter Ruhe und mit hohem Anteil zur Entdeckung der Langsamkeit geht viel zu früh zu Ende.

Christian Funke

PermafrostbodenGletscherwelt Spitsbergen
Permafrostboden Gletscherwelt Spitsbergen

alle Fotos: Roland Kräußel


Stand: 11.01.2012