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Trekking Zentral-Taurus und Ararat-Besteigung

von Barbara Sandmann

Türkei   Trekking Zentral-Taurus und Ararat-Besteigung

Die Türkei ist reich an landschaftlichen und kulturellen Höhepunkten. Nachdem wir ausgiebig durch die Tuffberge von Kappadokien und entlang des Lykischen Wegs von Fethiye nach Antalya gewandert sind, bleibt nur noch eine Herausforderung übrig – die Besteigung des höchsten Berges der Türkei – dem 5.165 m hohen Ararat. Das türkische Gesetz schreibt eine kostenpflichtige rechtzeitige Genehmigung sowie einen Bergführer der Mountain Federation vor. Um unser Vorhaben unkompliziert und reibungslos umzusetzen, buchen wir die Tour bei einem deutschen Reiseveranstalter. Mit Lufthansa fliegen wir von München nach Ankara. Beim Eintreffen der Mitreisenden am Treffpunkt im Wartebereich erleben wir eine Überraschung – Ute aus unserer Sektion hatte sich auch für das Abenteuer „Ararat“ entschieden. Das „Hallo“ ist groß! Wie klein ist doch diese Welt! Mit sieben Deutschen, einer Österreicherin und vier Schweizern bilden wir mit unserer deutschen Reisebegleitung aus dem Chiemgau eine „internationale“ Gruppe.


In Ankara werden wir von unserem türkischen Reiseleiter, Faruk, in Empfang genommen. Unsere weitere Reiseroute führt uns über den riesigen, teils ausgetrockneten Salzsee, Tuz Gölü. Der Binnensee ist einer der salzreichsten Seen der Erde. Am Abend erreichen wir unser Hotel in Göreme, Kappadokien. Beim fröhlichen Beisammensein lernen wir uns näher kennen.


Am nächsten Vormittag unternehmen wir eine Wanderung durch das Kizilkukur-Tal. Wir lassen uns von den bizarren Formationen aus rotem und weißem Tuffstein verzaubern, die förmlich zu „fließen“ scheinen. Anschließend verlassen wir Kappadokien und fahren nach Demirkazik, dem Ausgangspunkt unseres Taurus-Trekkings. Durch den beeindruckenden, weglosen Cimbar-Canyon und über Hochweiden steigen wir auf und erreichen unser Zeltcamp Sokullupinar auf 2.000 m.


Der nächste Tag ist bereits die erste gemeinsame Herausforderung, die Besteigung des Embler (3.723 m). Durch die enge Yalakdere Schlucht und über den zerklüfteten Celikbuyduran-Pass (3.450 m) müssen wir über 1.700 m aufsteigen.


Vom Embler, dritthöchster Berg im Aladaglar-Gebirge, genießen wir einen prachtvollen Blick auf die Höhenzüge des Taurus, die Gipfel des Hassan Dag und des Erciyes Dag sowie auf unser nächstes Camp auf dem Yedi Göller-Plateau. Yedi Göller bedeutet „sieben Seen“ und diese zahlreichen Seen laden auch zum Baden ein. Unser Zeltcamp auf 3.100 m ist wunderschön gelegen.


Wir beobachten Nomaden, die mit Ihren unzähligen Schafen und Ziegen die Sommermonate hier verbringen. Nach zwei Nächten wandern wir zum Büyük-See auf dem Hastahoca-Plateau und steigen danach in steilen Serpentinen zum Tekkekalesi-Pass (3.488 m) und dem gleichnamigen Gipfel auf. Nach einem abschüssigen schottrigen Zwischenabstieg erreichen wir unser letztes Camp am Yildiz-See. In der Abenddämmerung beobachten wir Steinböcke, die am Geröllhang grasen. Nun heißt es Abschied nehmen vom kargen, einsamen aber wunderschönen Taurusgebirge und steigen morgens durch die beeindruckende Maden-Schlucht ab.


Nach fünf Tagen sind wir froh, wieder in der Zivilisation zu sein. Ein Teil der Gruppe sucht das Hamam zur heiß erwarteten Körperpflege auf. Danach geht es weiter nach Kayseri, wo unser Nachtbus nach Erzurum in der Osttürkei auf uns wartet. Etwas müde und krumm steigen wir am nächsten Morgen aus dem Bus und gehen erst mal zum Frühstücken. Danach sehen wir uns die Sehenswürdigkeiten von Erzurum an. Die Stadt war einst Karawanenknotenpunkt an der Seidenstraße. Die Hauptsehenswürdigkeit ist die seldschukische Koranschule aus dem 13. Jh. Nochmals trennen uns an diesem Tag vier Stunden Fahrt von unserem eigentlichen Ziel – dem Ararat. Am späten Nachmittag erreichen wir Dogubeyazit, eine staubige unattraktive Stadt nahe der Grenze zum Iran. Von der Dachterrasse unseres Hotels haben wir einen tollen Blick auf „unseren Berg“. Beim Abendessen treffen wir Bülent Aktas, unseren Bergführer für die Besteigung.


Am Vormittag besichtigen wir den Ishak Pasa Sarayi, eine Mischung aus Bergfestung und orientalischem Lustschloss. Die Burg besticht durch seldschukische, osmanische, armenische, georgische und persische Architekturstile.


Anschließend fahren wir an den Fuß des Ararats zu unserem Ausgangspunkt (2.200 m) für die Besteigung. Unsere Begleitmannschaft und die Packpferde warten bereits, im Handumdrehen ist das Gepäck verladen und wir ziehen los. Nach gemächlichen drei Stunden Aufstieg über Wiesenpfade erreichen wir unser Basislager (3.300 m), das landschaftlich schön an den Hängen des Ararats liegt. Die Zelte stehen bereits, so müssen wir uns nur noch gemütlich einrichten.


Zur weiteren Akklimatisation steigen wir am kommenden Tag auf gerölligem Pfad ins Hochlager (4.150 m) auf. Hier ist es bereits wesentlich kühler und windiger. Nach einer Mittagsrast steigen wir wieder ins Basislager ab um dort nochmals zu übernachten, das ist Höhenbergsteigen. Am nächsten Tag ziehen wir ins Hochlager um. Es ist unglaublich, dass außer Felsbrocken auch noch Zelte einen Platz finden!


Es werden die Steigeisen gecheckt und nach einem frühen Abendessen landen wir zeitig in unserem Schlafsack. An Schlaf ist wenig zu denken, bereits gegen ein Uhr morgens startet die erste Gruppe und klappert an unserem Zelt vorbei. Für uns beginnt der Tag mit einem kleinen Frühstück und um 2:30 Uhr starten wir zu unserem Gipfelsturm. Es ist stockdunkel, nur die Stirnlampen beleuchten unseren Weg, sehr langsam und gleichmäßig steigen wir voran und überholen sogar noch zwei Gruppen im Aufstieg. Kurz nach vier Uhr morgens setzt die Dämmerung ein. Wir steigen und steigen und es wird immer windiger und kälter. Irgendwann erreichen wir die Gletscherzone. Nun heißt es schnell Steigeisen anlegen, damit die Hände nicht zu viel Kälte abbekommen. Im Gipfelbereich ist es nebelig und wir steigen so vor uns hin. Irgendwann sind wir oben. Es ist 6:40 Uhr. Überglücklich liegen wir uns in den Armen, die eine oder andere Glücksträne fließt. Alle aus unserer Gruppe erreichen den Gipfel in einer tollen Gruppenzeit von 4 Std. 10 Min. Trotz des starken Windes muss schnell ein Gipfelfoto her, bevor wir wieder rasch in angenehmere Zonen absteigen. Bereits um neun Uhr treffen wir im Hochlager ein, ruhen uns kurz aus, packen unsere Sachen zusammen und steigen ins Basislager ab. Abends wird unser Gipfelsturm bei ein paar Flaschen Raki gefeiert.



An nächsten Morgen hängen tiefe Gewitterwolken über dem Ararat – also doch nochmal Glück gehabt. Über Bergwiesen wandern wir zurück zu unserem Ausgangspunkt und fahren weiter zum Van-See (1.700 m), der siebenmal größer als der Bodensee ist. Wir setzen mit dem Boot auf die Insel Akdamar über. Dort besichtigen wir die armenische Heiligkreuzkirche, die an der Außenfassade mit Reliefs aus dem alten Testament reich verziert ist. Ein herrlicher Sonnenuntergang begleitet unser Abendessen in einem Strandrestaurant.


Wir verabschieden uns von unserem türkischen Reiseführer und fliegen in zwei Stunden mit Turkish Airlines von Van nach Istanbul. Nach eineinhalb Tagen in Istanbul und einer abschließenden Bosporus-Fahrt geht eine wunderschöne, erfolg- und erlebnisreiche Reise zu Ende.


Juli/August 2014
Text: Barbara Sandmann
Fotos: Waldemar Sandmann