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Erlebnisse im Land der Morgenstille - fränkische Alpinisten erkunden Südkorea

von Clara Grau

Erlebnisse im Land der Morgenstille - fränkische Alpinisten erkunden Südkorea



Als Won Bong, unser überaus aktives, südkoreanisches Mitglied der DAV - Bergwandergruppe um persönliche Unterstützung bei ihrer Reise in die Heimat bat, erklärten sich spontan sechs wackere Gruppenmitglieder bereit, in das ferne, unbekannte Land der Morgenstille zu ziehen. So startete im Oktober 2015 ein in vielerlei Hinsicht erfahrenes und ausgewogenes Team gen Osten: Won Bong Fronczek als koreanisch sprechende Teamleiterin und Organisatorin, zusätzlich zuständig für die medizinische Betreuung; Clara Grau vertraut mit Presse - und Öffentlichkeitsarbeit und durch unzählige Reisen welterfahren; Franz Gauder als Copilot und Navigator im ersten Mannschaftswagen; Hans Bald als vielfach bewährter Tourenleiter besonders am Berg erfahren; Margot Fella, eine in vielen Gruppenreisen gestählte, allseits geschätzte Teamplayerin; Marion Heßler als sichere Pilotin des zweiten Teamwagens und bestens geeignet für gruppenspezifische Aufgaben (wie offizielle Reden, Geschenkübergaben etc.) sowie Michaela Mrazkova als schnelle, nie ermüdende Wanderin und Pflanzenkennerin mit internationalem Background. Bei so einem Aufgebot konnte natürlich Reinhold, Won Bongs Ehemann, nicht fehlen und unterstützte die Gruppe mit seiner Taxifahrererfahrung als sicherer Konvoiführer und ruhender Pol der Gruppe.
Nach der Ankunft in Seoul stellte sich jedoch schnell heraus, dass einem bei einem perfekt ausgesprochenen, südkoreanischem „Guten Tag“ („annyeonghaseyo“) oder "Kimchi" (eigentlich: südkoreanischer, eingelegter Chinakohl (Nationalgericht), oftmals aber auch beim Fotografieren als Aufruf zum Lächeln benutzt) die Herzen der äußerst gastfreundlichen Südkoreaner zufliegen und somit etwaige Probleme auf einfachste Weise gelöst werden können. Manch einer von uns lernte in den kurzen drei Wochen sogar noch ein paar weitere Worte wie Bier, Danke und „Auf Wiedersehen“ hinzu: Bei den für den Europäer ungewohnten Schriftzeichen und der entsprechenden Aussprache fürwahr eine tolle Leistung.



Gewürze, Wurzeln und todschicke Wanderhosen: Korea ist ein Shoppingparadies!

Ein ständig wiederkehrendes Thema war das Einkaufen: mal ging es um das Einkaufsvergnügen an sich (wer wohl?), mal um das Kennen lernen der vielfältigen, für uns z.T. exotischen Waren auf den Märkten, mal um die Schnäppchen- oder Souvenirjagd, zuletzt am Abend meist um die Selbstversorgung für das kommende Frühstück. Gelegenheit zum Einkauf gab es immer und überall: Neben den üblichen Läden, Märkten und Markthallen boten u.a. auch Autobahnrastplätze in provisorischen Zelten Waren an. Nicht einmal auf Wanderungen war Mann vor Verkaufsständen sicher: jeder idyllische Weg führt meist an irgendwelchen idyllischen Tempeln mit Souvenirläden vorbei. Als Schnäppchenjägerin Nummer 1 entpuppte sich Marion. Immerhin muss zu ihrer Entlastung erwähnt werden, dass sie es schaffte, das zulässige Koffergewicht minimal zu unterbieten (geschätzte 1-2 Gramm). Familie Fronczek ist für die nächsten Monate mit Blättern, Wurzeln und getrocknetem Fisch, ja aber auch mit feinen Gewürzen und Pasten - alles Grundlagen der koreanische Küche - eingedeckt. Auch der männliche Teil der Mannschaft schlug sich wacker (d.h. zu), spielte besonders in den letzten drei Tragen seine frisch gewonnenen Einkaufserfahrungen aus und widerlegte damit alle Vorurteile: Als Renner d.h. vermeintliche Schnäppchen erwiesen sich letztendlich Bekleidungsstücke, insbesondere Wandersachen: Hinweis für alle Daheimgebliebenen und Anreiz für die nächsten Heimwanderungen: Wir haben nun den neuesten (zumindest südkoreanischen) Schrei... (Franz)

Eingeseift und weichgekocht - Besuch im Badehaus

Eine besonders wohltuende Erfahrung in Korea waren unsere Besuche in drei verschiedenen Badehäusern, die es überall zu finden gibt. Ob des vielfältigen Angebotes lohnt es sich, bei Einheimischen nach einer Empfehlung zu fragen. Hier kann Mann und Frau - übrigens streng getrennt - nicht nur ausgiebig duschen und Haare waschen sondern die müden Glieder in mehreren Becken mit verschiedenen Temperaturen oder auch in der Sauna herrlich entspannen. Manchmal werden auch Massagen angeboten, wobei geknetet, geklopft und getreten wird - alleine das Zuschauen macht Spaß. Wir haben es ausgesprochen genossenen, nach einer langen Wanderung inmitten von Koreanerinnen uns vom Staub des Tages zu befreien und im warmen Wasser zu relaxen oder der Salzsauna mit Babyhaut zu entsteigen. Ein wunderbares Erlebnis, das wir jedem Koreareisenden sprichwörtlich wärmstens empfehlen! (Marion)

Autofahren in Korea - mit Blink Blink und Soundesign durch das Land der Morgenstille schweben.



Bis uns die zwei Luxusschlitten am Airport übergeben wurden, waren ein paar Stellungswechsel mit Gepäck und müden Füssen erforderlich. Aber dann ging es los, wenn auch zunächst zögerlich. Das Navi beherrschte nur koreanisch und brauchte außer Stadt und Straße immer auch Land, Bezirk und Stadtteil jeweils in einer bestimmten Reihenfolge. Dadurch wurde, selbst für Won Bong, die Programmierung zu einer echten Herausforderung. Allerdings muß erwähnt werden, dass koreanische Hightec-Navis äußerst kommunikativ sind: sie blinken, leuchten, säuseln, kreischen dass es eine wahre Freude ist. Nichts für schwache Nerven! Aber mit FF ,dem fantastischen Franz, als Copilot fanden wir immer schnell wieder den richtigen Weg. Wir schwebten über die unzähligen Highways mit sehr vielenTunneln, aber noch häufiger als Tunnel waren die Radarfallen, von denen wir mehrere Dutzend am Tag passierten. An allen potentiell gefährlichen Stellen tönte und blinkte es so, dass selbst der müdeste Mitfahrer aufwachte. 2000 Kilometer haben wir wohl zusammengebracht ohne auch nur einmal in eine schwierige Situation zu geraten. Gut, auf den Serpentinen der Nebenstrecken musste Marion manchmal allen Mut zusammen kratzen und gehörig Gas geben, um dranzubleiben.

Alles in bester Ordnung: Ein geregeltes Land

Die Koreaner lieben Regeln und befolgen sie fast immer. Einmal auf der Landstraße fuhr ein lahmes Moped voraus, das Auto vor uns blieb trotz erlaubter 80 Stundenkilometer über mindestens 2,5 Kilometer brav mit 25 Stundenkilometern dahinter, weil ein Überholen nur mit Überfahren der durchgezogenen Linie möglich gewesen wäre. Auf einem Parkplatz im Nationalpark wies ein Parkplatzwächter Reinhold auf das Rauchverbot hin. Nach seiner Ansage "Rules are created to be broken“, zog er sich lächelnd zurück. (Reinhold)

Koreaner: allesamt selfiesüchtig!

Eine halbe Stunde für ein Gipfelfoto anstehen? In Korea durchaus üblich. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht warten die Bergsteiger, die mancherorts nach mehrstündiger Plackerei einen Gipfel erreicht haben, auf ihren Auftritt. Das Make-up der Damen ist perfekt, die Frisur sitzt auch bei den Herren und die nagelneue Wanderbekleidung ist farblich bestens abgestimmt. Schnell wird das Smartphone in den Selfiestick geklemmt, breit in die Handykamera gelächelt... und fertig ist das Gipfel-Selfie. Das Selbstportrait wird natürlich umgehend an Verwandte und Freunde geschickt. Egal, ob am Berg, im Tempel oder der U-Bahn: Die Koreaner knipsen sich mit einer ansteckenden Begeisterung laufend selbst. Irgendwann wurden auch wir Franken vom "Gruppenbild mit Kimchi-Grinsen"-Virus infiziert. Allerdings sahen wir mit unseren Fotoapparaten gegen die technisch hochgerüsteten Einheimischen ziemlich analog aus.

Angriff auf verweichlichte Hüftknochen: koreanische Schlafgewohnheiten



Schrank auf, Decken und Kissen raus. Dann alles gleichmäßig über den (beheizten) Fußboden verteilen - fertig ist das koreanische Schlafgemach. In Jugendherbergen und in traditionellen Gästehäusern, die wir häufig frequentierten, schläft man häufig auf dünnen Matten. Anfangs war der direkte Bodenkontakt für unsere Hüften ungewohnt. Nach spätestens zwei Wochen hat sich auch der verweichlichste Europäer an den harten Untergrund gewöhnt. Zur Erholung steuerten wir ab und zu Motels an. Die sind zwar in erster Linie für Liebespaare konzipiert, aber auch der Reisende übernachtet hier sehr preiswert und komfortabel. Eine uneinsehbare Garage, riesige Flachbildfernseher, Betten mit Massagefunktion, ein Arsenal an duftenden Shampoos, Cremes und Duftwässerchen sowie eine Minibar gehörten zur Standardausstattung. (Clara)

Von Herzen willkommen - Gastfreundschaft



Wir hatten auch zwei Übernachtungen bei Bongs Freundin und ihrem Ehemann. Sie haben ein wunderschönes altes Hanok, das sie zu einem Gästehaus umgebaut haben mit einem schönen Garten. Am Abend haben wir zusammen im Garten gegrillt. Am Morgen wurde uns ein liebevolles Frühstück serviert. Mit unseren Gastgebern machten wir danach eine aussichtsreiche Wanderung durch ein hübsches Tal. Zurück fuhren wir mit einem Panoramazug. Nach dem Abendessen hat uns Bongs Freundin in einem traditionellem Gewand eine Teezeremonie mit einer Lotosblüte zelebriert, die sehr beeindruckend für uns war. Beim Abschied wurden wir noch mit selbstgetöpferten Schalen und Obst beschenkt. Wir fühlten uns dort sehr wohl. Genauso erging es uns bei einer Übernachtung bei Bongs Schwester. Sie und ihr Mann führten uns am Abend in ein Gasthaus mit besonders ausgesuchten koreanischen Köstlichkeiten, z.B. gegrillte Heuschrecken, kleine Schnecken und eingelegte Muscheln. Wir durften bei ihnen im Wohnzimmer und im Gästezimmer auf dem Boden schlafen. Bongs Schwager hat uns sehr mit seiner Offenheit und Freundlichkeit beeindruckt. Am nächsten Morgen hatten wir dann eine lustige Fahrt auf dem Ladedeck seines Pritschenwagens zu seiner Ginsengfarm, die er uns voller Stolz zeigte und erklärte. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit dieser beiden Gastgeber bleibt für uns unvergesslich. (Margot)

Einblick ins Tempel-Leben - zu Gast bei einer buddhistischen Nonne mit europäischen Wurzeln



Ebenfalls ein einmaliges Erlebnis, an das wir uns alle sicherlich immer wieder erinnern werden, war eine Begegnung am Namsan-Bergmassiv bei Gyeongju. Auf unserer Wanderung haben wir den Chilburam Tempel besucht. Er befindet sich unter einer Steilwand, neben Buddhas, die in den Fels gemeißelt sind. Vom Tempel grüßte uns auf Deutsch eine Nonne und lud uns ein. Sie kochte für uns Tee, verteilte Obst und erzählte von ihrem Lebensweg: Hyu Jong ist mit 21 Jahren vom tschechischen Zlín nach München gezogen - das Leben in Tschechien war ihr zu langweilig. Sie arbeitete in Deutschland drei Jahre lang bei Mc Donald´s. Das sei eine gute Vorbereitung auf das Leben im zenbuddhistischen Kloster gewesen, sagt sie rückblickend: Sowohl in der Küche des Schnellrestaurants als auch im Trainingskloster würden strenge Regeln herrschen. Bei ihrer Buddhismus-Lehrerin macht die junge Novizin seit mehreren Jahren eine Ausbildung zur Nonne. In ihrem Tempel am Namsan-Berg ist sie derzeit nur in ihren Ferien. Hyu Jong erzählte uns über ihr Leben im Tempel. Sie schätzt die Menschen in Südkorea, die so herzlich sind und gute Laune ausstrahlen. Aus Europa vermisse sie vor allem guten Käse. (Michaela)

Die Wanderungen



Auf allen unseren Wanderungen in Südkorea konnten wir die Herbstfärbung der Laubbäume bewundern. Und da fast immer die Sonne schien, wirkten die Farben noch intensiver. Wir konnten auch viele Streifenhörnchen beobachten, die in unserer Nähe zwischen den Bäumen umherhuschten.
Gleich bei unserer ersten Bergtour mussten wir jeweils 1400 Höhenmeter im Auf- und Abstieg bewältigen. Es war mit 1708 Metern auch unser höchster Berggipfel. Die anderen Bergwanderungen waren deutlich kürzer. Immer waren sehr viele Südkoreaner unterwegs, vor allem am Wochenende. Fast immer trugen sie topmodische und farbenfrohe Wanderkleidung. Sie freuten sich auch immer, wenn wir koreanisch mit „annyeonghaseyo“ grüßten. Wenn sie am Wegesrand oder am Gipfel aßen, wurde uns auch immer etwas angeboten (Reiskuchen, Obst, Tomaten oder auch schon mal eine Flasche Reisschnaps).



Sehr oft mussten wir auf den Wanderwegen über Treppen auf- und absteigen. Vor allem, wenn es im Gipfelbereich etwas schwieriger wurde, konnten die Treppen schon mal sehr steil und die Stufen sehr hoch werden. Auf einer Tour überquerten wir auf einer riesigen Hängebrücke einen Abgrund. Auf den Gipfeln erwartete uns dann immer ein Gipfelstein mit koreanischen Schriftzeichen. Und meistens sehr, sehr viele Südkoreaner, die ihre Gipfelfotos schossen. Das haben wir natürlich auch gemacht, wenn auch ohne Selfie-Sticks.





Wir kamen auf unseren Wanderungen auch an vielen kleinen und großen Tempeln vorbei, die wir besichtigten. Einmal waren entlang des Aufstiegswegs Lampions angebracht, und unser Aufstieg wurde von Mantra-Gesängen aus Lautsprechern begleitet.
Am Ende unserer letzten kleinen Wanderung an der Küste wurden wir beim Auftritt einer koreanischen Gruppe eingeladen, mitzutanzen. Zum Schluss spendierte man uns Schweinefleisch mit eingelegtem Chinakohl (Kimchi) sowie eine kleine Dose Bier für jeden von uns.

Kimchi &Co.: Essen und trinken auf koreanisch



Die koreanische Küche ist sehr gesund und es hat uns fast immer geschmeckt. Wir hatten Glück, dass Won Bong immer die Lokale für uns aussuchte, und uns bei der Auswahl der Speisen unterstützte. Won Bong half uns auch bei Sonderwünschen (vegetarische Gerichte oder ein scharfes Gewürz als zusätzliche Beilage). Immer wurden unzählige Schälchen mit Gemüse und sonstigen Zutaten vor uns aufgestellt. Kimchi war immer dabei. Meistens aßen wir Gerichte mit Reis, manchmal aber auch Pfannkuchen. Sehr oft wurde auch eine Suppe serviert.
Als Essbesteck gab es Stäbchen und einen Löffel. Mit den Stäbchen kamen wir mit der Zeit immer besser zurecht. Manchmal saßen wir auf dem Boden, wenn wir aßen. Das war dann auf die Dauer doch etwas anstrengend. Die größte Überraschung erlebten wir am letzten Abend, als einige von uns ein Gericht mit Schweinefleisch bestellten. Uns wurde ein Schweineschnitzel serviert, und als Besteck gab es Messer und Gabel. Wasser gab es immer ohne Aufpreis. Man konnte aber auch Bier bestellen. Einen Nachtisch gab es fast nie in den Lokalen. Und es ist auch üblich, unmittelbar nach dem Essen zu zahlen und das Lokal zu verlassen. So waren wir dann oft die letzten Gäste im Lokal. (Hans)