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Nepal - Rund um das Annapurna Massiv


220km und 22.000 Höhenmeter auf alten Handelspfaden durch eine der atemberaubendsten Landschaften des Himalaya.

Nach einem Jahr der Vorbereitung und Planung stehe ich mit Pasang Sonam Sherpa, unserem Führer, am Flughafen von Kathmandu und erwarte gespannt unsere Sektionsgruppe. Pünktlich und sicher landet das kleine Flugzeug unserer Billigfluglinie "Biman Bangladesch" in der Hauptstadt von Nepal.
Erst vor 40 Jahren öffnete das einzige Hindukönigreich der Welt seine Grenzen der Außenwelt. 90% Nepals sind hohes und zerklüftetes Bergland. Doch Schluchten, Bergketten und Pässe sind mit einem dichten Netz alter Handelspfade überzogen. Trotz einiger Straßen ist Nepal das Land für Wanderer und das Land der Lastenträger. Obwohl Nepal nach einer Statistik zu den ärmsten Ländern der Welt zählt sind die Menschen von einer Herzlichkeit und Offenheit, die man sonst nur noch selten findet. Pasang empfängt unsere Nepalneulinge: Reinhold, den zweiten "Deutschmann-Sherpa", Anja, unsere Expeditionsärztin, Günter, Manfred, Emmerich, Werner und Hans, unser Rother Team und Herta, Heinz, Alfred, Anton, Hermann, Jürgen, Peter und Stefan aus Nürnberg mit bunten Blumenketten. Die zwei verschollenen Seesäcke von Hermann und Günter kommen tatsächlich im nächsten Flugzeug nach.
So können wir uns am nächsten Tag unbeschwert in den Trubel der Straßen und Bazare stürzen. Mit den ortsüblichen Motorrikschas machen wir uns auf, die örtlichen Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Im Turm des alten Königspalastes haben wir einen ersten Überblick über das Kathmandutal und die ersten Blicke auf die noch fernen Himalayariesen. Später bestaunen wir die älteste Stupa, Swayambhunath, einen der heiligsten Orte von Kathmandu, durch die vielen wilden Affen auch scherzhaft "Monkey Tempel" genannt.

In Bodnath, nachdem wir das größte buddhistische Bauwerk, die Stupa, an deren vier Seiten die allsehenden Augen des Buddha gemalt sind im Uhrzeigersinn umrundet haben, wurden wir im nahen Kloster von Mönchen eingeladen, um ihrem "Gottesdienst" beizuwohnen. Die fremdartigen Rituale, der monotone Singsang und die seltsamen Klänge ihrer Instrumente machen uns deutlich, daß wir nun endgültig in einer anderen Kultur unterwegs sind. Am Bagmati Fluß liegt der Tempelkomplex von Pashupatinath. Hier finden die Leichenverbrennungen der Hindus statt. Die Asche wird dem heiligen Fluß übergeben. Daneben schöpfen die Einheimischen mit großen Gefäßen ihr tägliches Trinkwasser.

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Hirsefelder am Weg Träger

Am nächsten Morgen bringen uns hoffnungslos überladene Fahrradrikschas mitsamt unserem Gepäck durch die engen Gassen zu unserem Bus. Wir 16 Sahibs haben zusammen 29 Angestellte: Guide, Sherpas, Koch, Küchenjungen und Träger. Der 50-sitzer Bus ist fast zu klein um alles unterzubringen. In Mugling bei der Mittagspause ist der erste Kontakt mit dem nepalesischen Nationalgericht: Dalphat, Reis mit dicker Linsensoße.
Bei Dumre verlassen wir die abenteuerlichen Straßen und steigen auf geländegängige Lkws um. Zweieinhalb Stunden Wackel- und Holperfahrt schließen sich an. Auf feldweg- ähnlichen Pisten geht es entlang des Marsyangdi-Flusses bis zu unserem ersten Lagerplatz in Bensisahar. Die Küche wird zum ersten Mal aufgebaut und gefordert. In der Auswahl unseres Kochs Lakpa und der restlichen Mannschaft zeigt sich Pasangs 30jährige Trekkingerfahrung. In seiner Jugend war er mit allen Großen des Himalayas unterwegs, mit Messner, Hillary und Schneider, dem Kartographen. In den nächsten 21 Tagen wollen wir das gesamte Annapurna-Massiv umrunden, dabei müssen Tagesetappen von 6-8 Stunden zurückgelegt werden. Wenn möglich, wollen wir noch zwei 6.000er, die am Weg liegen, besteigen.
Unser Trekkingalltag beginnt um 6.30 Uhr mit dem Zeltabbauen und Seesackpacken, denn die Träger warten schon ungeduldig. Unsere drahtigen Burschen schleppen fast 40kg täglich über Stock und Stein. Ihre Bezahlung ist nach unseren Maßstäben eher kärglich, sie erhalten als Tageslohn 5 DM. Der Trägerjob ist jedoch sehr gefragt, denn die Bezahlung inkl. Trinkgelder ist fast doppelt so hoch wie in den örtlichen Fabriken. Ohne diese zähen Menschen wären wohl einige 8.000er Bezwinger keinen Meter weit gekommen.

Unser gemeinsames Frühstück im Küchenzelt besteht aus Kaffee oder Tee, Toast, Chapatis, Eiern, Butter und Marmelade. Und aus Porridge, das von unserer Rother Gruppe gleich in "Klärschlamm" umgetauft wird. Ansonsten müssen wir uns um nichts mehr kümmern, keinen Zeltplatz suchen, kein Kochen, kein Abspülen - ganz einfach nur wandern und genießen.
An malerischen Gurungdörfern, reifen Reis- und Hirsefeldern vorbei, schlängelt sich der Weg am Ufer des Marsyangdi entlang. Täglich sind etliche mehr oder weniger vertrauener- weckende Hängebrücken zu überqueren. Spannend wird es, wenn von der anderen Seite eine Eselskarawane entgegenkommt, dann hilft nur noch ein schneller Spurt.
Mittags können wir uns in den örtlichen Lodges und Teehäusern verpflegen und bekommen so einen besseren Einblick in die harten und kargen Lebensbedingungen der Bevölkerung.

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Hängebrücke über den Ngadi Khola Praga, im Hintergrund Annapurna IV

Nach 5 Tagen öffnet sich das schmale Flußtal und wir haben einen großartigen Ausblick auf Annapurna II, 7.937 m und Pisang Peak, 6.091 m. In Pisang machen wir den ersten Ruhe- und Akklimatisationstag. Zwei Hochlager sind nötig um die 3.000 Höhenmeter zum Pisang Peak zu überwinden. Gemeinsam brechen wir auf. Trotz der Hilfe unserer Träger und Sherpas erreichen nur Reinhold, Stefan und Jürgen den Gipfel über einen steilen, oben überwächteten, schmalen Eisgrat.
Da die nächsten Etappen bis in eine Höhe von 5.400 m führen, verteilen wir an unsere nur spärlich bekleideten Träger mitgebrachte Kleidungsstücke. Hosen, Hemden und Pullover finden dankbare Abnehmer.

Beim Ort Braga machen wir halt. Die Häuser lehnen an einem steilen Hang und fügen sich in einer seltenen Harmonie in die rauhe Landschaft. Im Dorf befindet sich eine Gompa. Ein alter Mönch hat den Schlüssel gebracht und wir dürfen hinein. In vielen Etagen stehen Tausende kleiner Buddhas. Ganz oben fällt etwas Licht in den Raum und beleuchtet den Hauptaltar mit herrlichen, alten Thankas. Das Kloster ist ca. 400-500 Jahre alt.
Wir wandern weiter talaufwärts und machen Lager in Manang, 3.450 m. Das Dorf liegt malerisch unter den Nordabstürzen von Annapurna II und Annapurna IV, dem Glacier Dome und der Gangapurna. Unsere Zelte haben wir auf einem der Flachdächer aufgestellt.
Abends läuft Lakpa unser Koch zu Höchstform auf. Nach dem obligatorischen 5 o"clock Tee mit Plätzchen serviert er ein 3-Gängemenue. Der Höhepunkt ist ein Apfelkuchen, gebacken auf einem Holzfeuer. Die Abendkälte läßt uns zeitig in die warmen Daunenschlafsäcke kriechen, so pendelt sich unsere Schlafenszeit auf 19.00 Uhr ein.

Die Vegetation wird nun immer spärlicher. Der Weg führt vorbei an buddhistischen Chörten, Gebetsmühlen und Manimauern. Die Steine tragen eingemeiselt die magische Gebetsformel "Om mani padme hum" (Du Juwel in der Lotusblüte.) Nach einem kalten Lager in Thorong Phedi auf 4.300 m steigt die Gruppe bei besten Verhältnissen und strahlendem Wetter zum Thorong-La Paß, 5.470 m auf. Reinhold, Peter, Jürgen und Stefan wollen auf dem Paß ein Hochlager errichten und den 6.200 m hohen Thorong-Ri versuchen. Hermann, Temba, Pasangs Sohn, ein Träger und ich wollen erst am nächsten Tag über den Paß, da sich meine Erkältung trotz Antibiotika nicht sehr gebessert hat.
Der vielbegangene Weg ist auch nachts gut zu finden, da er schon seit Jahrhunderten als Übergang benutzt wird. Die Aussicht vom Paß ist grandios: die Chulugipfel im Osten, Annapurna II und Annapurna IV sowie Gangapurna und unzählige andere Berge, die ich namentlich nicht kenne. Bedruckte Gebetsfahnen in allen Farben, die im Wind flattern, tragen die Gebete von hier aus in alle Himmelsrichtungen.
Reinhold und Jürgen besteigen heute den Thorong Ri, Stefan und Peter kommen bis über 6.000 m. Der Rest der Gruppe hat heute den zweiten Ruhetag. Sie besuchen das Heiligtum von Muktinath, eine bedeutende Pilgerstätte für Hindus und Buddhisten und erforschen die umliegenden Dörfer.

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Am Thorong-La, Blick auf Thorong-Ri, 6100 m Abstieg nach Kagbeni

Die Landschaft hier gleicht den Landschaften in Tibet. Ein unfruchtbares, karges, wüstenähnliches Land. Kagbeni sperrt wie eine kleine Festung das ganze Tal ab. Nach rechts geht der Weg in das erst jetzt geöffnete Königreich Mustang. Wir biegen links in ein breites Urstromtal, in dessen Mitte sich der Kali Gandaki der schwarze Fluß hinausschlängelt. Hinter den Hügeln kommt langsam der Dhaulagiri, der weiße Berg, hervor. Er wächst mit seinen 8.167 m geradezu in den Himmel hinein.
Nur einmal im Jahr findet in Tukuche das ManiRimdu Fest statt. Das Klosterfest dauert normalerweise 3 Tage, wobei die Mönche in farbenprächtigen Masken und Kostümen rituelle Tänze aufführen. Hier zeigt sich der Nachteil eines Gruppentrekkings. Die Träger sind schon weit voraus und so müssen leider auch wir weiter. Ein drastischer Wechsel in der Vegetation von trockenem, unfruchtbarem wüstenähnlichen Land zu Fichten- und Kiefernwälder tritt während der nächsten Etappen ein. Auf beiden Seiten ist der Anblick von Annapurna und Dhaulagiri gewaltig. In Tatopani waschen sich viele von uns zum ersten bzw. zum zweiten Mal, erst die heißen Quellen laden dazu ein. Abends unterhält Emmerich, leicht alkoholisiert, mit seinem "Nürnbergerisch Englisch spoken" uns und unsere Sherpas. Nach einer Prise Schnupftabak von Manfred stellen sie mit Tränen in den Augen fest: "Very strong, but I like it".

Am nächsten Tag volle 1.500 hm Aufstieg, die Tagesetappen werden immer länger. Von Ghorepani, nach einem tollen Sonnenunter- und Sonnenaufgang, beginnt der lange Abstieg zum Modi Khola Tal, 1.800 hm und unendlich vielen Treppen bergab. Allen wackeln die Knie.
In Birethanti ist unser letzter Lagerplatz unter dem Panorama des Machhapuchhare. Für unsere Träger und Sherpas machen wir ein großes Festessen mit 12 Kilo Reis und 8 Hühnchen und Unmengen von Chang, dem lokalen Bier. Am Lagerfeuer sitzen wir lange und bestaunen unsere Träger, wie sie nach einem harten Trekkingtag noch bestens gelaunt, singen und tanzen können.
Die letzten 600 hm hinauf, dann erreichen wir Lumie. Pasang chartert einen Lkw und wir beenden unser Trekking fahrend, wie wir es vor 3 Wochen begonnen hatten. In Pokkara erholen wir uns am Phewasee, in der German
Rückblickend muß ich feststellen, daß unsere Zeit fast zu knapp bemessen war, um alle Eindrücke am Weg entsprechend aufnehmen und genießen zu können. Schon ein altes Sprichwort aus dem -Sanskrit sagt: "Hundert göttliche Zeitalter würden nicht ausreichen um alle Wunder des Himalayas zu erleben."

Armin Dusold im Dez.92, fürs Internet überarbeitet April 2001.

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Dhaulagiri, 8167 m Annapurna, 8091 m



Stand: 09.01.2006