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Aktuelles aus der Sportmedizin - Die Höhenkrankheit(en)

Die akute Höhenkrankheit und das Höhenlungenödem sind zwei Krankheiten, die in den ersten Tagen eines Höhenaufenthaltes auftreten können. Der Zusammenhang zwischen beiden Krankheiten ist nicht genau geklärt. Dem Höhenlungenödem gehen meist die klassischen Symptome der akuten Höhenkrankheit voraus. Aber es gibt auch Fälle, bei denen sich das Lungenödem zuerst bildet und die warnenden Symptome fehlen. In der Folge werden beide Krankheiten getrennt besprochen, obgleich sie meist durch den Begriff der Höhenkrankheit zusammengefaßt werden.

Akute Höhenkrankheit und Höhenhirnödem

Die akute Höhenkrankheit beginnt klassischerweise mit den Beschwerden Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schlafstörungen. Diese Symptome treten 6 bis 12 Stunden nach einem Höhenanstieg auf und verschwinden in der Regel nach 1 bis 2 Tagen, wenn kein weiterer Höhengewinn dazukommt. Wenn trotzdem weiter aufgestiegen wird, können die unangenehmen, aber harmlosen Symptome in ein Höhenhirnödem übergehen, das durch Gangstörungen und Bewußtseinsveränderungen gekennzeichnet ist und rasch zum Tod führen kann. Die akute Höhenkrankheit und das Höhenhirnödem werden als verschiedene Schweregrade einer höhenbedingten Krankheit angesehen, die vor allem das Gehirn betrifft. Der Übergang zwischen beiden Formen ist fließend.

Aus Studien geht hervor, daß die Aufstiegsgeschwindigkeit und die absolute Höhe die wichtigsten Faktoren für die Häufigkeit des Auftretens einer akuten Höhenkrankheit sind. Ein langsamer, aktiver Aufstieg und die Wahl der richtigen Schlafhöhe sind die besten Maßnahmen zur Vorbeugung der akuten Höhenkrankheit. Eine geschickte Tourenplanung, die Eingehberge und Akklimatisationsaufenthalte einplant, reduziert das Risiko deutlich.

Zur Behandlung einer bereits aufgetretenen akuten Höhenkrankheit können Medikamente hilfreich sein. Bei leichtem Schweregrad stehen die Kopfschmerzen im Vordergrund, die am besten mit dem Wirkstoff Ibuprofen behandelt werden. Ibuprofen wirkt rein symptomatisch und darf keinesfalls zur Vorbeugung verwendet werden, da gerade das Leitsymptom Kopfschmerz eine wichtige Warn- und Bremsfunktion innehat. Bei schwerer Ausprägung der akuten Höhenkrankheit mit Beginn oder vielmehr Zunahme des Höhenhirnödemes gilt das Kortisonpräparat Dexamethason als das Mittel der Wahl. Die rasche und eindrucksvolle Besserung der Symptome muß zum sofortigen Abstieg oder Abtransport genutzt werden und darf nicht zum weiteren Aufstieg verleiten. Der Abstieg in tiefere Höhenlagen ist die einzige kausale Therapie und damit allen anderen Maßnahmen weit überlegen. Ich möchte mit Nachdruck betonen, daß Medikamente nur im Notfall eingesetzt werden sollten. Sie werden im Bergsport nicht gebraucht, wenn die Aufstiegsgeschwindigkeit durch richtige Tourenplanung dem erreichten Grad der Akklimatisation und der individuellen Höhentoleranz angepaßt wird.

Höhenlungenödem

Ein Lungenödem ist eine Wasseransammlung in den belüfteten Teilen der Lunge. Das Höhenlungenödem macht sich anfangs durch eine Atemnot bei oder nach Belastung und Husten bemerkbar. Später tritt die Atemnot auch in Ruhe auf und es kommt ein schaumiger, blutiger Auswurf dazu. In voller Ausprägung sind auch ohne Stethoskop feinblasige, feuchte Rasselgeräusche zu hören. Häufig tritt das Höhenlungenödem plötzlich oder nachts auf, so daß ein Abstieg zu Fuß nicht mehr möglich ist.
Analog zur akuten Höhenkrankheit nimmt die Häufigkeit des Auftretens mit der Geschwindigkeit des Aufstieges und der absoluten Höhe zu. Die zentrale Bedeutung bei der Entstehung des Höhenlungenödemes nimmt eine überschießende Blutdruckerhöhung in der Lungenarterie ein, so daß Flüssigkeit in die Lunge gepreßt wird und sich dort mit Luft aufschäumt. Medikamente, die gezielt dort den Blutdruck senken, werden erfolgreich in der Behandlung des Höhenlungenödemes eingesetzt. Auch für das Höhenlungenödem gilt, daß die richtige Höhentaktik die beste vorbeugende Maßnahme und der schnelle Abstieg die beste Therapie des bereits bestehenden Lungenödemes ist.

Die Verabreichung von Sauerstoff über eine Maske ist eine sehr gute Notfallbehandlung. Zur Vorbeugung, Steig- oder Schlafhilfe zeigt die Anwendung von Sauerstoff beim Bergsteigen meines Erachtens nur die eigene Begrenztheit der Leistung und des Denkens. Notfallmedikament der Wahl beim Höhenlungenödem ist der Blutdrucksenker "Adalat", der Wirkstoff heißt Nifedipin. Daß dieser Wirkstoff häufig mit beeindruckendem Erfolg eingesetzt werden konnte, wurde in vielen Studien dokumentiert. Bei der akuten Höhenkrankheit und dem Höhenhirnödem ist Nifedipin nicht wirksam.
Auf die genaue Angabe der Handelsnamen, Dosierungen und Anwendungsrichtlinien der genannten Wirkstoffe verzichte ich auch in Anbetracht der Nebenwirkungen. Wer sich für eine Hochtour in den Alpen oder eine Expedition gezielt vorbereiten will, kann von mir auch weiterführende Informationen erhalten.

Die akute Höhenkrankheit und das Höhenlungenödem treten nie schicksalhaft auf, sondern sind fast immer die Folge höhentaktischer Fehlentscheidungen. Die Befolgung der richtigen Taktik zur Akklimatisation ist der Schlüssel zum Gipfelerfolg.


Uli Geitner



Stand: 09.01.2006